Die Äußerungen von Josef Ackermann sind bezeichnend für das längst überholte Rollendenken der “alten Herren im konservativen Meinungslager” (Zitat aus der ZEIT Nr. 6, 2011). Frauen dienen also als farbiges Verschönerungsobjekt in den Vorstandsetagen? Da kann man nur den Kopf schütteln. Passend sind deshalb auch Reaktionen kompetenter Frauen aus Wirtschaft und Politik. Wie beispielsweise von Silvana Koch-Mehrin „Wenn Herr Ackermann Farbe im Vorstand will, soll er sich Bilder an die Wand hängen.“
Es ist schon bestürzend und eine Schande, dass in unserem Land über die Einführung einer Frauenquote diskutiert werden muss, damit hochqualifizierte Frauen in wichtigen Positionen vertreten sein können. Seit Jahrzehnten ist dieses Thema im Umlauf, passiert ist allerdings wenig. Das Denken in alten Strukturen und überholtem Rollenverhalten ist einfach nicht totzukriegen. Dabei können sich viele Frauen schon längst nicht mehr mit dieser alten Rolle identifizieren. Es scheint, als lebten das konservative Lager und die neuen Frauen auf unterschiedlichen Planeten. Große Konzerne sollten sich ein Beispiel an von Frauen erfolgreich geführten mittelständischen Unternehmen oder an den Skandinavischen Ländern nehmen. Dort weiß man die Kompetenzen von Frauen zu schätzen.
Die gebildete und qualifizierte Frau von heute weiß genau, was sie will und was nicht. Ihr Interesse besteht nicht im Folgen von ausgetretenen Pfaden der “konservativen Herren”, für die eine Arbeitszeit von siebzig oder achtzig Stunden pro Woche normal ist. Wohlgemerkt sagen diese Zeiten rein gar nichts über die in diesen Stunden erzeugte Produktivität oder deren Ergebnisse aus.
Frauen in Führungspositionen sind ergebnis- und erfolgsorientiert. Allerdings definieren sie Erfolg auf ihre eigene Weise und streben nach einem ganzheitlicheren Ansatz. Ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Interessen werden nicht getrennt, sondern vereinbart. Sie profilieren sich auch nicht über permanente Verfügbarkeit, Dauerüberstunden oder Wochenendarbeit, sondern suchen nach Strategien, mit denen sie effektiv und effizient ihre und die Ziele des Unternehmens erreichen können.
Ihre Konzepte haben Hand und Fuß, ihre Ziele sind klar und sie haben keine Angst vor Entscheidungen. Sie vereinen ein hohes Verantwortungsbewusstsein für das Wohlergehen der Menschen um sie herum und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge schnell zu erfassen. Sie bringen ihren Mitarbeitern ein großes Vertrauen entgegen und erhalten im Gegenzug ein hohes Engagement.
Wie wichtig es ist, mehr Frauen in verantwortliche Positionen zu bringen, zeigt auch ein Bericht des Handelsblattes vom 28.2.2011. Demnach haben Ökonomen festgestellt: “Frauen in Führungspositionen denken langfristiger und führen Firmen seltener in überteuerte Übernahmen”. Studien*) in norwegischen Firmen (bei denen die Frauenquote im Verwaltungsrat bei 40 % liegt) zeigen, dass Frauen offensichtlich mehr auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter fokussiert sind. Indem sie systematisch andere unternehmerische Entscheidungen treffen, schaffen Sie Veränderungen. Die Untersuchungen mit einer Vergleichsgruppe ergaben allerdings auch einen um 4 % geringeren operativen Geschäftsgewinn. Wie sich dieser weibliche Führungsstil langfristig entwickelt, konnte aufgrund der bis jetzt gesammelten Datenlage in der Studie nicht prognostiziert werden. (Siehe auch Artikel im Handelsblatt Nr. 41, Mehr als nur “bunt und schön”)
Vieles wird sich ändern, wenn Frauen in verantwortungsvollen Positionen mehr zu sagen haben. Eine Hürde haben die Frauen auf diesem Weg allerdings noch zu überwinden. Sie müssen sich mehr untereinander vernetzen. In Konkurrenz stehen die Frauen nämlich weniger mit ihresgleichen, sondern mit überholten Strukturen. Diese gilt es gemeinschaftlich aufzubrechen.
*)Studie: David Matsa, Kellogg School of Management der Northwestern University und Amalia Miller, University of Virginia.